Römischer Sesterz von Maximus Caesar
„Alle Wege führen nach Rom.“
Rom, 236–238 n. Chr.
Bronze, patiniert
Ø 3,0 cm
Gewicht: 18 g
Inv.Nr.: V1336G
Münzen fungieren zur Zeit der römischen Kaiser als einfachstes Mittel der Propaganda, um die Macht des Kaisers und seiner Mitstreiter zu zeigen. Sie durchlaufen viele Hände und werden bis in die entlegensten Gebiete des Reiches und darüber hinaus ins „Barbarcium“ getragen. Durch den Handel in der Grenzregion sind auch einige römische Münzen ins Wurzener Land gelangt. Anhand eines Vertreters der überschaubaren Münzsammlung soll es diesen Monat auf Spurensuche römischer Propaganda gehen.
Auf der Vorderseite befindet sich, im für römische Münzen üblichen Aufbau, mittig der Kopf einer Person im Seitenprofil. Im Nackenbereich sind die Faltenschläge der Kleidung zu erkennen. Die umlaufende Legende verweist auf die dargestellte Persönlichkeit: MAXIMVS CAES GERM. Ausgeschrieben lautet sie Maximus Caesar Germanicus. Maximus ist der Name der abgebildeten Person, während Caesar und Germanicus ursprünglich Namen waren, die im Verlauf der Kaiserzeit zu Ehrentiteln umfunktioniert wurden. Die Münze zeigt den jungen Gaius Iulius Verus Maximus, den der Senat im Jahr 236 mit der Verleihung des Titels Caesar zum Mitregenten seines Vaters, Maximinus Thrax (Regierungszeit: 235–238) ernennt. Die Darstellung des Kaisers oder seiner Mitstreiter sowie die Nennung der Ehrentitel sollen zeigen, wer die Geschicke Roms steuert und welche Errungenschaften die Regenten aufweisen können.
Die Rückseite der Münze ist ähnlich strukturiert. Im Zentrum steht eine nach links gewandte Figur in Militärkleidung. In der rechten Hand hält sie einen Stab und in der linken einen Speer. Rechts daneben befinden sich zwei Standarten des römischen Heers. Die Legende zieht sich kreisförmig um die Abbildung: PRINCIPI IVVENTVTIS. Zusätzlich befinden sich die Buchstaben S und C im rechten und linken Feld neben der Abbildung.
Principi juventutis ist ein weiterer Titel, der dem offiziellen Thronfolger, dem „Juniorkaiser“, verliehen wird. Der Abschnitt S C hingegen steht auf den meisten römischen Münzen und bedeutet senatus consulto – „auf Beschluss des Senats“. Diese Aussage signalisiert eine zusätzliche Bestätigung zur Richtigkeit der Informationen zu Ehrentitel und Thronfolge.
Da die dargestellte Figur keiner römischen Gottheit ähnelt, wird es sich um ein Eigenbildnis Maximus‘ handeln. Die Standarten, auch Aquilae genannt, sind die Feldzeichen einer römischen Legion und decken sich mit der militärischen Kleidung der Figur. In Zusammenhang mit dem Titel Germanicus auf der Vorderseite ergibt sich für den Betrachter ein stark militärisch geprägtes Bild. Die Nachricht ist deutlich: Der Mitregent Maximus ist mit militärischen Erfolgen gesegnet. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der römischen Kultur, um politisch akzeptiert zu werden.
In wie weit die Selbstzuschreibung wahr ist, lässt sich aufgrund der Quellenlage nicht sagen. Denn den Titel Germanicus hat man ihm nie offiziell verliehen und auch seinen Tod im Jahre 238 ist von Unstimmigkeiten geprägt.
Denn das sogenannte Sechskaiserjahr läutet ein von politischen Krisen geprägtes Jahrhundert ein. Aus einer Reihe unvorhersehbarer Ereignisse, einen zurückgedrängten Senat und vielen politschen Gegenspielern innen und außerhalb der Reichsgrenzen kommt es im Jahre 238 zu einem raschen Ausruf mehrerer Kaiser. Der amtierende Maximinus Thrax und dessen Sohn Maximus verlieren den Zuspruch des Senats. Sie werden von ihren eigenen Soldaten getötet und in Rom zur Schau gestellt – von der Loyalität eines erfolgreichen Heers, wie es die Münze anmuten lässt, fehlt jegliche Spur.
Literatur
RIC IV Maximus 13, http://numismatics.org/ocre/id/ric.4.mxs.13 [zuletzt aufgerufen am 25.09.2026].
Franke, Thomas: Iulius [II 145], in: Der Neue Pauly (DNP). Band 6, Metzler, Stuttgart 1999, Sp. 44.
Kienast, Dietmar/ Eck, Werner/ Heil, Matthäus, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie6 (Darmstadt 2017) S. 178f., online: https://archive.org/details/romische-kaisertabelle [zuletzt aufgerufen am 25.09.2026].
Henning, Börm, Die Herrschaft des Kaisers Maximinus Thrax und das Sechskaiserjahr 238. Der Beginn der „Reichskrise“?, Gymnasium 115, 2008, S. 69–86.